Du bist, was du isst. Dieser Leitsatz gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf begann vor einiger Zeit ein deutlich kritischeres Hinterfragen von Fertigfutter für Tiere. Denn dieses steht im Ruf, nicht artgerecht oder gesund zu sein. Eine Art Gegenbewegung dazu wurde das sogenannte Barfen. Was sich dahinter verbirgt und ob es wirklich Vorteile gegenüber der gewohnten Ernährungsweise hat, wollen wir im Folgenden untersuchen.

Barfen – was ist das überhaupt?

Wer einen Hund oder eine Katze zu Hause hat, dem wird wahrscheinlich schon einmal der Begriff “Barfen” über den Weg gelaufen sein. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? Tatsächlich ist dieses Wort eigentlich ein Akronym, also eine Abkürzung.

Wofür steht der Begriff “Barf”

Die Aufschlüsselung der einzelnen Buchstaben B, A, R und F durchlief verschiedene Stufen. So stand BARF am Anfang wohl für „Born-Again Raw Feeder“ was so viel wie “wiedergeborene Rohfütterer” heißt. Später wurde daraus „Bones And Raw Foods“, als “Knochen und rohes Futter”, bevor man schließlich dazu überging, BARF als “biologically appropriate raw food“ zu lesen. Diese Übersetzung ist auch im Deutschen anerkannt: Biologisch artgerechtes rohes Futter.

Im Endeffekt dreht sich beim Barfen also alles um die Ernährung von fleischfressenden Haustieren. Dabei wird sich auf die evolutionären Ursprünge besonnen, das heißt, die Nahrung sollte möglichst roh und fleischlastig sein, so wie Wildhunde und Wildkatzen es eben auch praktizieren. Es wird angenommen, dass ein solcher Speiseplan deutlich artgerechter ist, als industriell gefertigtes Tierfutter.

Die Geschichte des Barfens

Der Gedanke, ein Haustier mit rohem Fleisch zu füttern, ist im Übrigen keineswegs neu. Schon vor mehreren Jahrtausenden war es üblich den domestizierten Hunden und Katzen die Reste der eigenen Beutetiere zu geben. Auch in der Neuzeit wurde noch lange eine Fütterung von Hund und Katze mit Küchenabfällen, Innereien und anderen tierischen Resten praktiziert.

Erst mit Beginn der 1960er Jahre kam der Industrie die Idee, aus den ohnehin anfallenden und verhältnismäßig billigen Schlachtabfällen sowie nicht anderweitig verwendbarem Getreide ein Fertigfutter für Haustiere zu entwickeln. Dieses wurde noch schrittweise mit Geschmacks- und Aromastoffen angereichert, sodass die Tiere es auch gern annahmen. Darüber geriet die ursprüngliche Ernährung in Vergessenheit.

Doch in der Zwischenzeit entwickelten sich immer häufiger auch sogenannte Zivilisationskrankheiten (z.B. Diabetes) bei unseren Haustieren. Auch Allergien und Unverträglichkeiten traten immer mehr in Erscheinung. Die Überlegungen wurden laut, dass dies mit der Ernährung zusammenhängen könnte. Darum begann man wieder selbstständig Futter für die Tiere vorzubereiten. Das Barfen war als Trend in der Gegenwart angekommen.

Wie funktioniert Barfen?

Der Name verrät den grundsätzlichen Ansatz ja bereits: Beim Barfen basiert alles auf einer Ernährung mit einem großen Anteil rohem Fleisch. Dazu zählt übrigens nicht nur Muskelfleisch, sondern auch Innereien, Knochen und Knorpel sowie Fisch. Dieses wird dann entsprechend der Bedürfnisse von Hund und Katze noch mit verschiedenen weiteren Zutaten angereichert. So gehören auf jeden Fall auch Obst und Gemüse dazu, da diese zusätzliche Nährstoffe beinhalten und ballaststoffreich sind. Aber auch gewisse Öle (z.B. Lachs oder Hanf) werden viel verwendet, um den Bedarf an gesunden Omega-3-Fettsäuren zu decken.

Somit wird deutlich: Barfen heißt nicht nur rohes Fleisch füttern. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, der sich an der Natur orientiert. Denn wenn dort eine Katze beispielsweise eine Maus fängt, frisst sie diese, inklusive ihrer Knochen, Innereien und auch dem anverdauten Mageninhalt. Um dieses Profil nachzuahmen, wurde der oben erwähnte Speiseplan entwickelt.

Rohes Fleisch, Obst, Gemüse und Öle sind beim Barfen im Napf

Nicht nur rohes Fleisch kommt in den Napf. Auch Obst, Gemüse und Öle stehen auf dem Speiseplan.

Warum sollte man Barfen?

Zunächst einmal wollen wir betonen, dass inzwischen längst nicht jedes vorgefertigte Tierfutter schlecht ist. Es gibt am Markt auch einige Hersteller, die auf qualitativ hochwertige und vor allem auch für die Tiere bekömmliche Zutaten setzen. Darum soll die industrielle Nahrung nicht verteufelt werden. Dennoch gibt es einige Punkte, die für das Konzept Barfen sprechen, die wir im Folgenden gern vorstellen wollen.

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Vorteile Barfen

Futter aus rohen, unverarbeiteten Zutaten entspricht definitiv der natürlichen Ernährungsweise von Hunden und Katzen. Hier wird auf unnötige Zutaten wie Geschmacksverstärker, Getreidebestände, Konservierungsstoffe oder Zucker verzichtet. Dafür sind ganz selbstverständlich wichtige Nährstoffe, Vitamine und Mineralien enthalten.

Wer barft, weiß also immer genau, was dem Haustier serviert wird. Gerade wenn das Tier auch unter einer Futtermittelallergie leidet, kann bei dieser Ernährungsweise auch ganz individuell darauf reagiert werden. So können bestimmte Zutaten weggelassen oder ausgetauscht werden. Es kann auch problemlos Abwechslung auf dem Speiseplan geboten werden.

Durch das rohe Futter werden Katzen, aber insbesondere auch Hunde zudem zum vermehrten Kauen angeregt. Dies befriedigt nicht nur einen natürlichen Instinkt, sondern trägt auch zur Zahnpflege bei. Im Übrigen wurde nachgewiesen, dass bei einer rohen Ernährungsweise auch das Kotvolumen und besonders auch der -geruch verringert werden. Grund dafür: Das Tier bekommt in dieser Ernährungsweise besonders viele Stoffe, die es auch wirklich verwerten kann. Somit muss es auch weniger ausscheiden.

Knochen für den Hund. Er genießt ihn.

Auch sehr beliebt: der Knochen mit anliegenden Fleisch, Knorpeln und Knochenmark.

Nachteile Barfen

Wo Licht ist, ist immer auch Schatten. Darum wollen wir auch einen Blick auf die Nachteile bei dieser Ernährungsform werfen. Der wahrscheinlich größte ist für viele die Aufbewahrung des Futters. Denn rohes Fleisch muss natürlich gekühlt, wenn nicht sogar gefrostet gelagert werden. Das tägliche Auftauen des Fleisches ist für viele ebenfalls ein kritischer Faktor. Denn hier bedarf es zum einen einer akribischen Hygiene, zum anderen stellt es einen zusätzlichen Zeitaufwand dar, den man natürlich bereit sein muss einzugehen.

Apropos Zeit. Davon braucht es auch am Anfang einiges. Denn zugegebenermaßen braucht es zu Beginn einiges an Vorwissen zur artgerechten Ernährung. Hier sollte man sich also gründlich informieren. Außerdem sind unsere Haustiere auch Individuen. Es kann somit auch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis hier die Umstellung glückt. Das braucht u.U. einiges an Geduld bei uns Zweibeinern.

Vorurteile zum Barfen

Während die Vor- und Nachteile durchaus der Wahrheit entsprechen, gibt es auch einige Punkte, die immer wieder im Zusammenhang mit dieser Thematik erwähnt werden, die einfach so nicht stimmen. Dazu gehört der Vorwurf, dass Barfen zu teuer wäre. Doch tatsächlich liegt es preislich im Vergleich zu normalem Futter (außer man nimmt die absolut billigste Sorte) durchschnittlich eigentlich genauso, wenn es nicht sogar teilweise günstiger ist! Grund dafür ist, dass man mengenmäßig beim Barfen oft weniger braucht, als bei z.B. herkömmlichen Trocken- oder Nassfutter. Und auch die Zutaten sind häufig die gleichen, die auch wir Menschen konsumieren und somit ohnehin einkaufen.

Weiterhin wird der BARF-Ernährung auch gern unterstellt, sie wäre gesundheitsschädlich für die Tiere, da das frische, rohe Fleisch keimbelastet sei. Doch wie bereits gesagt: Für das BARF-Konzept wird eigentlich das gleiche Fleisch verwendet, das auch wir Menschen essen würden. Somit sollte das unbedenklich sein. Zudem gilt, dass die Magensäure von Hund und Katze deutlich stärker ist, als die von Menschen und somit auch viel besser mit Krankheitserregern fertig wird.

Das letzte Vorurteil ist eher eine Ansichtssache. Denn ob man Barfen nun als zu umständlich empfindet, ist wohl immer individuell zu sehen. Sicherlich erfordert die Umstellung zunächst einen höheren Aufwand. Man muss sich über die artgerechte Zusammenstellung informieren und neue Rhythmen im Tagesablauf etablieren und integrieren. Aber ist diese Änderung einmal passiert, ist die eigentliche Fütterung nicht umständlicher als sonst. Zudem wiegt für viele überzeugte Barfer auch der positive Effekt auf das Wohlbefinden ihrer Lieblinge den kleinen Mehraufwand wieder mehr als auf.

Nicht immer ist das Barfen teurer

Barfen muss nicht zwingend teurer sein.

Gute Gründe fürs Barfen

Zusammengefasst wollen wir an dieser Stelle sagen, dass Barfen sicherlich nicht für jeden passt und auch nicht die einzige artgerechte Ernährungsform ist. Aber wenn Ihr Haustier unter gesundheitlichen Beschwerden wie z.B. Haut- und Magen-Darm-Problemen, Allergien, Erkrankungen des Bewegungsapparates oder Nieren- bzw. Harnwegserkrankungen leidet, könnte es eine Option darstellen, die es wert ist ausgetestet zu werden.

Gleiches gilt für Fälle mit einer diagnostizierten Futtermittelunverträglichkeit. Und auch wenn Hund oder Katze Verhaltensauffälligkeiten (Aggressionen, Ängste) aufweisen, kann eine Ernährungsumstellung helfen. Selbst wenn es den Fellnasen mal zu gut geschmeckt hat, kann dieser Wechsel sinnvoll sein, weil damit häufig auch ganz natürlich eine Regulation des Körpergewichts einhergeht. Somit sprechen viele Gründe dafür, dem Konzept Barfen zumindest eine Chance zu geben.

Quellen
https://www.juni-barf.de/was-ist-barfen
https://de.wikipedia.org/wiki/Barf
https://www.barfers-wellfood.de/barf-barfen
https://www.tierfreund.de/was-ist-barf/
https://seitz-barf.de/barfen-fuer-anfanger/
https://www.barfen.info/#hund-barfen
https://www.barfen.info/#katze-barfen